SONDERDRUCK AUS:
BAYERISCHES JAHRBUCH FÜR VOLKSKUNDE 2013
Wolfgang Brückner, Würzburg

   Das Andachtsmotiv der Sieben Heiligen Zufluchten ist in der südmitteleuropäischen Frömmigkeitsgeschichte wohl bekannt (Michael Hartig 1929/34, Friedrich Zoepfl 1938, Gregor Martin Lechner 1972, Walter Hartinger 1980, Sigrid Metken 1984) und daher in der Sekundärliteratur häufig erwähnt oder für den eigenen kulturellen Umkreis kurz dokumentiert. Es gab jedoch bislang weder eine katalogmäßige Erfassung der meisten Denkmäler noch eine umfassende monographische Untersuchung zu Herkunft, Kult und Verbreitung. Beides wird nun im vorliegenden Werk mit großem Fleiß zu leisten versucht. Der südwestdeutsche Autor ist ein aus der Buchbranche stammender Kulturpublizist mit reichen Erfahrungen in Mittelalterthematik, weshalb er den theologischen Problemen breite Aufmerksamkeit widmet, ohne die das gesamte Sammel-Unternehmen einer Inventarisation sonst scheitern müsste. Aus beiden Aspekten bezieht er drei klare Thesen, die auch die Anlage des Buches bestimmen: 1. Begründer der Andacht war 1689 der Münchner Jesuit Tobias Lohner mit einem eigenen Andachtsbüchlein; 2. das verschollene Urbild aller Gemälde der Sieben Zufluchten stammt nur wenige Jahre später aus der Münchner Frauenkirche; 3. den geistlichen Ursprung und die pastorale Zielsetzung bilden die katholische Reform und deren gesteigerte Armeseelenfürsorge. Der kommentierende Katalogteil des Werkes umfasst die Hälfte des Buches (113-267). Dem folgt noch eine Auswahl von Quellentexten aus gedruckten Andachtsanleitungen.
   Wir haben es also mit einem zentralen Thema der barocken Bildkatechese zu tun, für deren genaueres Verständnis es bislang trotz umfangreicher musealer Realiensammlungen viel zu wenig tieferes Interesse gab, weil notwendige Studien der vorliegenden Art eine Seltenheit darstellen. Es muss nämlich immer neu ab ovo begonnen werden, auch wenn Ausstellungen wie die in Zürich 1994 "Himmel, Hölle, Fegefeuer? inzwischen das Standardwissen verewigt haben und auch unser Autor Konrad M. Müller sich nicht mehr in das 16. Jahrhundert zurückgetraut hat. In der Festschrift für Walter Hartinger zum 65. Geburtstag (Manfred Seifert u. Winfried Helm |Hgg.|: Recht und Religion im Alltagsleben. Perspektiven der Kulturforschung [Neue Veröffentlichungen des Instituts für ostbairische Heimatforschung der Universität Passau 56]. Passau 2005) gibt es einen Beitrag von mir über "Katechetische Bilder vom guten Tod in nachmittelalterlicher Zeit aus Süddeutschland?, der noch für das 18. Jahrhundert große Münchner und Augsburger Kupferstiche über die "Zuflucht zur Zeit der Sterbstund? benennen kann, die von den wechselseitigen Beeinflussungen der beiden Kompositionen Zeugnis ablegen, wie man feststellen kann, vor allem auf jenem Blatt von Johann Martin Will aus der Sammlung Kriss, das bei Christoph Kürzeder: Als die Dinge heilig waren. Gelebte Frömmigkeit im Zeitalter des Barock, Regensburg 2005 als Abb. 108 auf S. 191 publiziert worden ist. Diesen Typus als "Votivbilder? zu klassifizieren, wie es Müller tut (224), geht schlecht an. Die Predigt vom "Guten Tod? stellt eine eigene Gattung der Bildkatechese dar.
   Der sachliche Ertrag zur Ikonographie findet sich in der genauen Erörterung der "einzelnen Elemente der Komposition?: die Heiligste Dielfaltigkeit, Christus am Kreuz, die Eucharistie, die Mutter Gottes, die Kugel und Erzengel, die Heiligen, die Armen Seelen (samt Fegefeuer, Hilfe der Armen Seelen, Fürbitte der Armen Seelen, Bilder und Orte mit Darstellungen der Armen Seelen). Zu Letzterem muss man wieder sagen, dass die Hinweise aus den Handbüchern der Ikonographie meist aus dem Mittelalter stammen und hier also wenig weiterhelfen, hingegen sollten wir uns des täglichen Armenseelengedenkens im bayrischen Bauernhaus der unmittelbaren Vergangenheit vergewissern, nämlich dreimal am Tage beim Engel des Herrn. Dazu gab es aus dem Bayerischen Wald die Hinterglas-"Armeseelentaferl? (von Reinhard Haller 1980 monographisch aufgearbeitet) sowie die häufigen stationären Gebetskugelaufforderungen auf schmalen Wandbrettchen mit Fegefeuerdarstellung, also bildliche Aufforderungen, mindestens ein Pater noster und ein Ave Marie für die Verstorbenen oder speziell für gefallene Soldaten zu verrichten.
   Die Volkskunde weiß inzwischen meist Genaueres aus jenen Zusammenhängen. Darum muss hier auch der kurze Verweis auf "Die kapuzinische Andacht zu den Sieben Zufluchten? näher konkretisiert werden. Der so häufig aufgelegte "Güldene Himmelsschlüssel? des P. Martin von Cochem war insgesamt ein Armeseelen-Gebetbuch "für das andächtige Weibergeschlecht?. Die Hausfrau sollte in mütterlicher Verantwortung für die gesamte Verwandtschaft mit diesem Schlüssel des Gebets das Gefängnis des Fegefeuers öffnen helfen, sowie es auf dem Frontispiz-Kupfer drastisch dargestellt wurde und in manchen Titelvarianten heißt "zur Erlösung der Lieben Seelen des Fegefeuers?. Fegefeuergeschichten sind bei Martin von Cochem natürlich in seinen Exempelsammlungen vertreten, doch erst das späte 19. Jahrhundert hat daraus eine eigene Büchlein-Gattung gemacht. Das konnte und sollte Konrad M. Müller gar nicht alles aufführen und aufrühren müssen, aber es gehört für uns Alltagshistoriker nun einmal dazu und belegt die Breite der Gewohnheiten. Dankenswerterweise hat der Autor zum Schluss seiner wörtlichen Quellenausbreitung auch dogmatische Erörterungen des 19. und 20. Jahrhunderts aufgenommen, so dass offizielle Theologie und pastorale Praxis gleichermaßen dokumentiert sind.
   Der Katalog zu den inventarisierten Bildern ist innerhalb Bayerns sachlich geordnet, Alphabetisches leistet das generelle Ortsregister. Auf die Kapitel der kunsthistorischen Urbildfrage und deren Abhängigkeiten folgen die Ordnungsüberschriften: Variationstypen, Ausnahmen gegenüber dem Vorbild, individuelle Besonderheiten, zum Beispiel fehlende Zufluchten, unterschiedliche Darstellungen Mariens, Fresken, Votivbilder, falsche ikonographische Zuschreibungen, indirekt belegbare abgekommene Darstellungen, österreichische Belegorte (voran Salzburg und Tirol). Damit ist die Funktion des Werkes als Nachschlagewerk gewährleistet.
   Mehr an Positivem laut sich über das vorliegende Buch nicht sagen. Wir wollen es dankbar annehmen und in die Fachbibliotheken stellen lassen.

 

HOHENZOLLERSCHE HEIMAT, 64. Jg., 1.03.2014 (ba)
Konrad M. Müller: "Die sieben Heiligen Zufluchten"

   Selten hat mich ein Buch, dessen Titel mich erst mal ratlos machte, so gefesselt, offenbarte es sich doch als Fundgrube für Interessenten an Kirchenkunst. Zudem dient es zur Vertiefung religiösen Wissens, fast als eine Art spannender "Katechismus".
   Um das Jahr 1689, als nach dem Konzil von Trient eine Erneuerung des katholischen Glaubens einsetzte, entstanden - insbesondere auf Initiative der Jesuiten - Andachten, in denen die wichtigsten theologischen Lehren und das Erlösungsgeschehen volksnah zum Ausdruck gebracht werden sollten. Und so wurden sieben Grundpfeiler in den Mittelpunkt gestellt: erstens die Dreifaltigkeit Gottes als Vater, Sohn und Heiliger Geist, zweitens das Kreuzesopfer Christi, drittens das Sakrament des Altares (Messopfer), viertens die Engel, fünftens die Gottesmutter Maria, sechstens die Heiligen und siebtens die Armen Seelen.
   In der Zeit des Barock wandelten sich die gotischen Bildwerke zu "Gnadenbildern", die auf Hilfe und Heilung durch Beten und Anrufung aufmerksam machten. Nach dem Tridentinischen Konzil (1549) wurde die Verehrung der Heiligen - im Gegensatz zu den Reformatoren - stark gefördert, und man bemühte sich auch um eine "richtige Bilderlehre".
   Als Begründer der Andacht zu den sieben Zufluchten gilt der bayerische Jesuit Tobias Lohner. Die Andacht erlebte rasch eine Blütezeit, um dann im Zeitalter der Aufklärung zu verschwinden, denn Engel, Heilige und Arme Seelen verwies man damals in das Reich des Aberglaubens. Die Nazarener versuchten später eine Wiederbelebung, was aber nicht gelang. Die bildliche Darstellung zu den sieben Zufluchten in Andachtsbüchern und in Gotteshäusern nahm seinen Ursprung in München und verbreitete sich dann über die Augsburger Gegend und den Chiemgau auch in weiteren süddeutschen Räumen, auch in Hohenzollern.
   Autor Konrad M. Müller beschreibt detailliert und fundiert den geschichtlichen Werdegang und die Bedeutung der Andachtstexte und Andachtsbilder. Bezüglich der bildlichen Darstellungen nahm er sich eines bislang vernachlässigten Forschungsgegenstands an. Er nimmt die Darstellung der Figuren und symbolischen Gegenstände sowie deren Aussage genau unter die Lupe und verdeutlicht die Entwicklungen (danach auch die Abweichungen) anschaulich in Wort und Bild (farbig und schwarz-weiß). Das Buch wird hier zu einem packenden Nachschlagewerk in Sachen Kunst und Religion.
   Aus Hohenzollern und den umliegenden Regionen geht Müller unter anderem auf die Darstellungen in Heiligkreuztal, Emerkingen, Hettingen, Neufra, Sigmaringen und Pfullendorf ein. In Hettingen beispielsweise befasst er sich mit der Sieben-Zufluchten-Darstellung am Chorbogen der Martinskirche. Diese Bild weist individuelle Besonderheiten auf. So fehlt in der Darstellung Christus am Kreuz, aber der Künstler erweiterte die Monstranz mit Hostie nach oben um ein Kreuz mit eingefügtem brennendem Herz.
   Zu den Zufluchtsbildern mit eigentlich unerlaubten und fehlenden einzelnen Zufluchten zählt die Darstellung in der Neufraer Kirche (ursprünglich für die Mutter-Gottes-Kapelle geschaffen), ebenso das Sigmaringer Meinrad von Ow-Bild, zu dem der Überlieferung nach der Auftrag aus dem Inzigkofer Augustinerinnen-Kloster gekommen sein soll und das früher zeitweise im einstigen Sigmaringer Landeskrankenhaus betrachtet werden konnte.

 

COLLECTANEA FRANCISCANA, 83-2013, ROM
Leonhard Lehmann

   Wie schon in seinem letzten Buch über die Pestpflanzen - Heilkräuter wider den schwarzen Tod (Freiburg) widmet sich der Autor auch in dieser Monographie einem Thema, das in der Volkskunde, Kunstgeschichte und Theologie kaum beachtet wird. Es bietet sich aber zur interdisziplinären Forschung geradezu an. Mit Sieben Heiligen Zufluchten ist eine Andacht gemeint, die aus dem Trienter Konzil erwachsen ist, im Barock sich entfaltete und geographisch sich auf den süddeutschen-österreichischen Raum beschränkte. Sie wurde vor allem in Bruderschaften und im Dritten Orden der Franziskaner und Kapuziner gepflegt. Als Begründer der Andacht gilt der Jesuit Tobias Lohner mit seinem Buch Heilwirkende Andacht der Gott liebenden Seelen zu den Sieben Zufluchten (München 1689). Das Andachtsbuch bietet ein auf alle Wochentage verteiltes Schema; jeden Tag wird ein anderes zentrales Glaubensgeheimnis verinnerlicht: die heiligste Dreifaltigkeit, Christus mit Kreuz, die Eucharistie, die Mutter Gottes, dann Engel, Heilige sowie die Armen Seelen. Die Andacht schlägt sich auch bald in Bildern und sogar in der Architektur (St. Michael in München) nieder, die genau diese Themen darstellen. Wort und Bild ergänzen sich auch in diesem Band, in dem K.M. Müller heute meist vernachlässigten Bildern nachgeht und die ebenso vernachlässigten schriftlichen Quellen aus der Barockzeit ausfindig macht, darunter das bis ins 20. Jahrhundert häufig aufgelegte Werk des Kapuziners Martin von Cochem (1634-1712): Goldner Himmels-Schlüssel oder neues Gebetbuch zur Erlösung der lieben Seelen im Fegfeuer (Augsburg 1691) und das Himmlisch Palm-Gärtlein (Köln 1770) des Jesuiten Wilhelm Nakatenus.
   "Wie in einer Art konkurrierendem Eifer" (33) förderten Jesuiten und Kapuziner diese Andacht, die min ihrem Siebenerschema leicht einzuprägen und durchzuführen war. Betrachtungen führten den Gläubigen betend zu den Sieben Zufluchten hin, wobei aus dieser Meditation die Werke folgen sollten. Im Anhang bietet der Autor zwei Modelle einer solchen Andacht (269-283); das zweite, 1846 in Regensburg gedruckte, stammt vom Jesuiten Michael Sintzel. Das letzte aus der Feder eines Kapuziners dürfte das in den 1960er Jahren in Feldkirch gedruckte Büchlein Die Sieben hl. Zufluchten von Johannes Ev. Gehrer sein. Ausführlicher ist die Untersuchung von Ferdinand Holböck mit dem gleichen Titel (Stein am Rhein 1975).
   Das zur Andacht gehörende Bild - entweder als Stich im Buch oder als Gemälde im Haus oder in der Kirche - entspricht dem genannten Schema und ist in drei Ebenen aufgebaut: oben die heiligste Dreifaltigkeit, in der Mitte links (vom Betrachter aus gesehen) Christus am Kreuz, rechts seine Mutter Maria und zwischen beiden, gleichsam als Zentrum der Komposition, die hl. Eucharistie als Monstranz oder Kelch mit Hostie, unten die Erzengel und Engel links und rechts die Heiligen und die mit ihnen verbundenen, leidenden Armen Seelen. Variationen finden sich vor allem bei den Heiligen. Sind fast immer die Sterbepatrone Joseph, Sebastian, Barbara und Maria Magdalena dargestellt, so wechseln die übrigen je nach Ort (Regionalheilige) und Ordenszugehörigkeit. Auf Bildern in Kirchen der Jesuiten ist ihr Gründer Ignatius von Loyola zu sehen, auf Bildern in Kirchen der Franziskaner oder Kapuziner hingegen Franz von Assisi. Nach der Berechnung Müllers werden auf den von ihm eingesehenen Bildern - das Buch enthält 96 Abbildungen und 16 farbige Tafeln - folgende franziskanische Heilige abgebildet: Antonius von Padua 36 Mal, Franziskus 32 Mal, Bernhardin von Siena 3 Mal, Klara 3 Mal (München, Tann, Mindelheim), Elisabeth von Thüringen 2 Mal, Felix von Cantalice 1 Mal, und zwar auf einer Prozessionsfahne in Traunstein.
   Bilder mit den Sieben Zufluchten waren zur Zeit der Aufklärung dem Spott und auch der Vernichtung ausgesetzt. Darum sind die noch vorhandenen nur ein Teil der einst weit verbreiteten Bilder. Zum Beispiel das Bild in der Maria-Hilf-Kapelle an der Pfarrkirche in Laufen an der Salzach "hätte nach der Visitation im Jahre 1787 durch den Stiftsdekan weggeräumt werden sollen" (139). Das kurz zuvor gemalte Bild (Tafel XV) zeigt neben Antonius einen weiteren "Mönch mit brauner Kutte; es könnte Franziskus sein. Da jedoch die Figur fast greisenhaft wirkt, dürfte es eher der hl. Franz von Paula sein" (139). Ich meine, es ist der 172 kanonisierte Felix von Cantalice, zumal in Laufen die Kapuziner waren. Auch in der Friedhofskapelle in Oberfeldkirchen hängt ein Altarbild, auf dem neben Antonius Franziskus abgebildet ist mit der Besonderheit, dass er kein einfaches, hölzernes Kreuz in Händen hat, sondern "ein rotes Doppelbalkenkreuz. Fra Angelico hat einst den Heiligen mit solch einem Kreuz dargestellt" (153). Die Franziskanerinnen von Reutberg verwahren in ihrer Klausur ein Sieben-Zufluchten-Bild, auf dem neben Franziskus weitere Heiligen dargestellt sind, "deren Identifizierung Rätsel aufgibt" (156 mit Abb. 48). Könnte die ältere Frau nicht Margarete von Cortona sein oder Elisabeth von Reute?
   Erwähnt sei noch, dass Kapuziner nicht nur durch Predigt und Schrifttum die Andacht zu den Sieben Heiligen Zufluchten förderten, sondern einer sie auch ins Bild brachte. Es war Bruder Hippolyt Niksch (1868-1955). Nachdem er an den Maleraka-demien Wien und Düsseldorf Kunst studiert und Jahrzehnte in Frankreich verbracht hatte, trat er 1927 in den Orden ein, malte 182 Bilder von Bruder Konrad und andere Sujets, darunter 1942 das Altarbild "Die Sieben Heiligen Zufluchten", das in der Nikolaikirche in München hängt (Abb. 13).
   Am Ende seines Rundgangs kommt Müller zu dem Ergebnis: "Die größte Gruppe der Bilder entspricht dem Typus des Münchner Dombildes bzw. dem Stich im Andachtsbuch von Lohner. Daneben finden sich noch Bilder, die mehr oder weniger davon abweichen" (167). Die Abweichungen betreffen die Darstellung der heiligen Dreifaltigkeit, Mariens oder das Format oder die Materialien. Daraus sei nur erwähnt, dass Johann Degler "1717 das Hochaltarbild der Münchner Dreifaltigkeitskirche malte, das eine kirchlich nicht erlaubte Heilig-Geist-Abbildung zeigt" (190). In dieser Zeit wurde auch die 2001 heilig gesprochene Crescentia Höss von Kaufbeuren (1682-1744) unter Beobachtung gestellt, weil sie den Heiligen Geist als Jüngling dargestellt hatte (vgl. 241).
   Herrn Müller kann man nur dankbar sein für seine fleißige Sammlertätigkeit. Er rückt in Bild und Wort ein Thema ans Licht, das heute weithin vergessen ist. Dass die Abbildungen nicht immer von bester Qualität sind, liegt nicht an ihm, sondern am zum Teil ruinösen Zustand der Originale. Der Text hätte allerdings noch einiger Korrekturen bedurft. Immerhin liest er sich flüssig. Das Buch ist gut gebunden und sogar mit einem Lesebändchen versehen.

 

DER PILGER, 27-28/2103, KIRCHENZEITUNG FÜR DAS BISTUM SPEYER

Sieben Zufluchten
Eine alte Form der Andacht, ihre Geschichte und ihre Bedeutung

   Seltsam, der Titel dieses Buches. Doch hinter ihm verbirgt sich eine vor allem im süddeutschen und österreichischen Bereich weit verbreitete Form volkstümlicher Frömmigkeit und Andacht, die im Barock entstand, aber heute weitgehend in Vergessenheit geraten ist. Dabei ist der theologische Gedanke, der dahinter steht, gar nicht so abwegig: Immer geht es ja der Frömmigkeit auch darum, sich der höheren "Macht" zu vergewissern, die in all den Unbilden des Lebens hilft, Zuflucht gewährt; dass dabei hin und wieder die theologische Gewichtung fragwürdig erscheint, gehört zur Volksfrömmigkeit, wobei dies bei den "Sieben Heiligen Zufluchten" gar nicht so ist, stehen doch die grundlegenden Geheimnisse des Glaubens klar im Vordergrund. Die "Sieben Heiligen Zufluchten": Gott der Dreifaltige, Jesus Christus mit dem Kreuz, der Kelch oder die Monstranz mit dem eucharistischen Leib Christi, die Gottesmutter Maria, die Engel, die Heiligen, die Armen Seelen. Eine eigene Andacht entstand 1689, auch eine Fülle von Bildern, Kirchen, Kapellen die den "Sieben Heiligen Zufluchten" gewidmet sind. Das alles stellt dieses Buch umfassend dar. Eindrucksvoll ist der "Bilder-Katalog", der alle Darstellungen der "Sieben Heiligen Zufluchten" aufführt und die wichtigsten auch abbildet, angefangen vom "Urbild" im Dom zu München; höchst interessant sind dazu die zitierten Quellen, die Aufschluss geben über die Bedeutung dieser Frömmigkeit. Doch die eigentliche Bedeutung dieses Buches liegt in der deutenden Beschreibung der einzelnen "Elemente" der "Sieben Heiligen Zufluchten", wie sie dargestellt sind, sowie ihrer kirchengeschichtlichen Einordnung und - vor allem - ihrer geistlichen, theologischen Begründung; dabei wird deutlich, dass die "Sieben Heiligen Zufluchten" gar nicht so veraltet sind und durchaus wert sind, wiederentdeckt und erschlossen zu werden. Ein interessantes, lesenswertes und aufschlussreiches Buch.

 

KLERUSBLATT, 93 (2013) NR. 1, 15.01.2013
PROF. DR. HANS PÖRNBACHER

   Wem auch, wie das hier anzuzeigende Buch beweist, Bilder zur Andacht "Die sieben heiligen Zufluchten" weit verbreitet sind, so ist die Andacht selbst fast ganz vergessen. Und doch verdiente diese typisch barocke Andacht, die um 1700 im süddeutsch-österreichischen Raum entstanden ist, Aufmerksamkeit. Warum typisch barock? Sie bemüht sich um das Ganze des christlichen Glaubens, wie es auch die theologischen Programme der Kirchen des 18. Jahrhunderts tun, und bringt entscheidende Beireiche der christlichen Religion zur Sprache: die heiligste Dreifaltigkeit, den Opfertod Christi am Kreuz und sein Vermächtnis durch das Altarsakrament; Maria, die Mutter des Herrn und die Mutter der Kirche; den Chor der Engel (der Verkündigungsengel Gabriel - meist vor Maria stehend, St. Michael der Seelenwäger und Raphael, der Wegbegleiter, der die Armen Seelen aus dem Fegefeuer führt); die Heiligen in einer für den jeweiligen Ort spezifischen Auswahl und die Armen Seelen. So ergeben sich sieben Titel und Gruppen, je eine "Zuflucht" für jeden Tag der Woche, beginnend am Sonntag mit der Verehrung der heiligsten Dreifaltigkeit. So sollte diese Andacht nicht nur als etwas Vergangenes betrachtet werden, sie wäre es wert, wieder belebt und gepflegt zu werden. Ganz vergessen war die Andacht freilich nie. Eingeführt wurde sie, um katholisches Glaubensgut im Gefolge, im bewußten Dienste der katholischen Reform herauszustellen, und sie fand rasch Freunde und Zustimmung, so zum Beispiel in den Kirchen der Institute Mary Wards, der "Englischen Fräulein", ja in vielen Frauenklöstern und in vielen Pfarrkirchen in Stadt und Land und sie diente auf diese Weise im ausgehenden 17. und im 18. Jahrhundert der Pflege des religiösen Lebens. Das alles weist der belesene und sorgfältig recherchierende Autor zu Beginn seiner Untersuchung überzeugend nach. Den Hauptteil des Buches nehmen die Bildbeschreibungen und der umfangreiche Bilder-Katalog ein, der reich illustriert ist. Schade, daß die Qualität der Bilder nicht immer befriedigt. Erfreulich ist dennoch die Vielzahl der Bilder, welche die Aussage-Kraft der Untersuchung stützt, aber auch die Auffassungs-Möglichkeit des Lesers herausfordert. Erstaunlich reich und solide ist die theologische Basis der Untersuchung, die der Autor gründlich nachweist und festigt; schön und überzeugend auch die theologische Deutung der einzelnen Bilder. - Das Buch ist nicht nur für die Kirchen und Orte mit Darstellungen der Sieben Heiligen Zufluchten von Interesse, es ist darüber hinaus ein wichtiger und wegen der Zuverlässigkeit dieser gelehrten und geradezu erschöpfenden Darstellung auch überzeugender Beitrag zur Frömmigkeitsgeschichte der Barockzeit, die in ihren Ausläufern weit ins 19. Jahrhundert herauf reicht; sie ist wichtig, weil sie eine über lange Zeit weit verbreitete Andacht wieder ins Gedächtnis ruft und die vielen, noch in unseren bayerischen und österreichischen Kirchen aufgestellten Bilder erklärt, Bilder, die zusammen mit den kurzen Andachtstexten einer intensiven Katechese gedient haben und wohl noch dienen könnten.

 

DEUTSCHE TAGESPOST, NR. 3, 05.01.2012,
PROF. DR. HANNA-BARBARA GERL-FALKOVITZ

Fenster geöffnet zu einer anderen Welt
Vorgeschmack auf die himmlische Heimat: ein bibliophil gestaltetes Buch zeigt die Glaubenstiefe der geistlichen Kunst um 1700

Wer heute über den Zustand der Liturgie und des religiösen Grundwissens klagt, sollte sich, allerdings nicht zum Trost, einer früheren Zeit erinnern, nämlich des 17. Jahrhunderts in Deutschland. Dort waren nach der Reformation und den daraus folgenden Religionskriegen, die erst 1648 mit dem Westfälischen Frieden beendet wurden, ebenfalls eine breite Gleichgültigkeit und eine Unkenntnis der Glaubenswahrheiten eingerissen.

Das Volk erbaute sich am mystagogischen Bildtypus
   Das Konzil von Trient (1545-1563) hatte der Reformation gegenzusteuern versucht, doch die Umsetzung der Gegenreformation dauerte lange und war zunächst wenig durchschlagend. In dieser Lage setzte etwas ein, was möglicherweise auch heute ein Remedium sein könnte: die Verkündigung über Kunst. In diesem Fall waren es vorwiegend Jesuiten, denen man heute eher Kopflastigkeit nachsagen könnte; damals standen sie ursächlich mit am Beginn barocker Sinnenfreude, eines eindrücklichen Vorgeschmacks auf die himmlische Heimat.
   1689 begründete der Münchner Jesuit Tobias Lohner die "Andacht zu den sieben Zufluchten", mit einer raschen Blütezeit für etwa 100 Jahre, gestützt durch einen bestimmten Bildtypus vor allem im süddeutschen, salzburger und tiroler Raum. So wurden die Worte unterlegt von anschaulichen, volksnahen Bildern, die die Geheimnisse der christlichen Lehre vor Augen stellten, indem sie Herz und Sinn anrührten. Mehr noch: Sie boten eine theologisch gut unterfangene Hilfe in den vielerlei Nöten der Zeit, wobei sie den gesamten Heilskosmos eindringlich und farbig als einen letzten, unüberwindlichen Anker anboten.
   In diesem mystagogischen Bildtypus wurden gezeigt die heiligste Dreifaltigkeit oben, unterhalb davon links der blutende Gekreuzigte, rechts die Muttergottes, in der Mitte zwischen ihnen und die Bildmitte beherrschend die Monstranz mit der strahlenden Hostie, darunter die Gruppen von Engeln und Heiligen, besonders der hl. Joseph und die hl. Barbara als Patrone des guten Todes, ganz unten die Armen Seelen im Fegefeuer. Siebenfach öffneten diese Mysterien ein Fenster zur "anderen Welt": gleichzeitig zur Wegweisung, zum Trost, zur Auferbauung. "Wann diße Zuflucht für mich stehn, Kan es mir niemal Ubel gehen." Daß die geweihte Hostie aller Augen auf sich sammelt, verweist überdeutlich auf den reformatorisch angefochtenen katholischen Glauben an die wirkliche Gegenwart Christi im Meßopfer.
   Theologisch mag erstaunen die Anrufung der Armen Seelen als Zuflucht, gelten sie doch selbst als des Gebetes bedürftig. Doch wird plausibel herausgestellt, auch hier gebe es eine Gegenseitigkeit in der Hilfe, da diese Seelen ja nicht verworfen sind, sondern geläutert werden - ja, sie können nicht mehr von Gott abfallen wie die Lebenden, sind sie doch schon unumkehrbar auf dem Weg "nach Hause".
   Das Ende einer solchen Denkens und Hoffens wurde erwartungsgemäß durch die Aufklärung besiegelt. Um wieder an die Gegenwart anzuschließen: Wo in der Bilder- und Kommunikationsflut der Tage die christlichen Wahrheiten nicht mehr anschaulich sind, werden weder Kopf noch Herz erreicht. "Aufkläricht" und abstrakte Bildgebungen reizen nicht zum Gebet. Konkret: Ein Kreuzweg, der nur aus farbigen Flächen besteht, läßt sich nicht wirklich mitvollziehen. Im Blick auf die naiven barocken Bildgebungen wird markant sichtbar, wie sehr der Glaube der Sinnfälligkeit, der theologisch gestützten Gestaltung, der überzeugenden und lesbaren "Schönheit" bedarf. Das "Volk" hat jedenfalls an diesen Gestaltungen gehangen und sich daran auferbaut, wie die weite im Buch dokumentierte Verbreitung bezeugt. Der Autor Konrad M. Müller, der diese fast vergessenen Bilder kenntnisreich und im guten Sinne "fromm" wieder vorstellt, ist gelernter Buchhändler aus Württemberg mit hohem geschichtlichen und kunsttheoretischen Interesse, der sich bisher in Veröffentlichungen mit mittelalterlichem Städtebau, auch mit Pestpflanzen und Pestheiligen im Allgäu beschäftigte. Die Überschneidung von Volkskunde, Kunstgeschichte und Theologie macht auch die Stärke des jetzt neu vorliegenden, reich bebilderten Buches aus. Im übrigen bereitet es Freude, wieder einmal ein bibliophil verlegtes Buch in Händen zu halten - was für den Preis erstaunlich ist.

Der Betrachter wird von der Wahrheit angeblickt
   Wer sich Kopf und Herz offenhält, wird auch heute, in der Zeit kaum noch gepflegter Andachten, Trost und Tiefe in den Darstellungen finden. Ja, es kann sich bei der Betrachtung eine unerwartete Umkehr ereignen, auf die Kierkegaard in seiner "Einübung im Christentum" aufmerksam gemacht hat: "Die christliche Wahrheit hat, wenn ich so sagen darf, selber Augen, damit zu sehen, ja, sie ist wie lauter Auge; aber es wäre ja recht störend, ja, es würde mir dadurch unmöglich werden, ein Gemälde oder ein Stück Tuch zu betrachten, wenn ich, indem ich mich anschicke, es zu betrachten, entdecken müßte, daß da das Gemälde oder das Tuch auf mich blickten - und so ist es eben der Fall mit der christlichen Wahrheit; sie ist es, die mich betrachtet, ob ich tue, was sie sagt, daß ich tun soll." In diesem Sinn bringt das Buch weit mehr als ästhetischen Genuß: Es ist auferbauend.

            
                                                                        
ZEITSCHRIFT FÜR BAYERISCHE LANDESGESCHICHTE, BAND 75, HEFT /2012,
PROF. DR. LUCIA LONGO-ENDRES


   Tiefe Unsicherheit und Angst, vor allem auch ein starker Überlebenswille angesichts des weit verbreiteten bitteren Loses führten in der Bevölkerung Bayerns, eines nach dem Dreißigjährigen Krieg darniederliegenden Landes, zu einer besonders leidenschaftlichen Frömmigkeit, die vom Geist der Gegenreformation angefacht und getragen wurde. Durch die schmerzliche Not, den hoffnungsvollen Hilferuf zur himmlischen Macht, die menschliche Hinwendung zum Übernatürlichen, um Krankheiten, Naturkatastrophen und Tod verstehen und rechtfertigen zu können, belebte sich, von der Ordensgeistlichkeit angefacht, eine erneuerte Religiosität. Sie entfaltete sich in der barocken Kunst, welche die Sinne berauscht und die Ehre Gottes in beispielloser Schönheit und Üppigkeit verkündet. Die Pietas bavarica jener Zeit fand wie nie zuvor geistige Nahrung in der Verehrung von Gnadenbildern und in der Ausstrahlung vermehrter Wallfahrtsorte als Stätten der Theophanie, welche die Innigste Verbundenheit zwischen Mensch und Gott ermöglichten. Das Heilsverlangen der vor dem Gandenaltar knienden Menschen suchte Tröstung und Schutz im Angesicht einer Marien., Christus- oder Heiligendarstellung, entwickelte sogar besondere Andachtsformen wie die Verehrung der Wunden Christi, des Heiligen Blutes oder der Dornenkrone.
   Im letzten Viertel des 17. Jahrhunderts verbreitete sich in Bayern, Tirol und Österreich ein ikonographisches Motiv von besonderer Bedeutung: die Andacht zu den "Sieben heiligen Zufluchten", die ihre Blüte bis etwa 1770 erreichte. Aus dem Titel den "Sieben Heilige Zufluchten" lässt sich zunächst nicht erschließen, was hier gemeint ist. Allenfalls denkt der Leser an Wallfahrtsorte, wo er Zuflucht in irgendeiner Not zu finden hofft. Welches sind die "Sieben Zufluchten"?
   Die "Sieben heiligen Zufluchten", eine entsprechende Andacht sowie ein dazugehöriges Bild, umfassen, kurz gesagt, die wichtigsten Glaubenslehren der katholischen Kirche, nämlich die Trinität, Christus am Kreuz, die in der Monstranz präsentierte Eucharistie, die Muttergottes, verschiedene (zum Teil lokal wechselnde) Heilige und Erzengel sowie die Armen Seelen im Fegefeuer. Nach der Überlieferung geht die Andachtsform auf die Jesuiten zurück; P. Tobias Lohner SJ in München wird das erste Gebetbuch (1689) mit einem Stich zu den Sieben Zufluchten zugeschrieben. Das erste Gemälde zu dem Thema in der Liebfrauenkirche zu München, unter Lohners Verantwortung entstanden, wurde 1837 entfernt und ist verschollen; es wurde 1691 von dem am bayerischen Hof tätigen Maler AntonioTriva aus Italien gefertigt.
   Andacht und Bild sind als kleines Kompendium der christlich-katholischen Glaubenslehren aufzufassen, um die darniederliegenden, von den evangelischen Theologen bestrittenen Glaubenswahrheiten erneut zu befestigen. Dass das Bild im Sinne der Propaganda fidei wirkmächtig eingesetzt wurde, ist für das Verständnis jener bilderfreudigen Epoche nicht uninteressant. So bildet das Kreuzesopfer, vergegenwärtigt und erneuert in der Eucharistie, den kompositorischen Mittelpunkt der Bilder. Indem die Muttergottes meist auf der gleichen Höhe wie die Monstranz und der Gekreuzigte dargestellt ist, wird ihr Mitwirken am Erlösungswerk Christi deutlich. Bei einigen Bildern fallen von Christus Blutstrahlen, von Maria Milchstrahlen auf die Monstranz, was den engen Anteil beider an der Erlösung unterstreicht. Über der Monstranz befindet sich die Trinität mit der Weltkugel zu ihren Füßen, ebenfalls ein typisch katholischer Akzent, denn im Gegensatz zu den evangelischen Neuerern ist nach katholischer Lehre die Well erlösungsfähig. Etwas unterhalb der Mitte finden wir eine Anzahl verschiedener Sterbepatrone, die allerdings mehrfach variieren. Ihnen gegenüber werden Erzengel tätig, um Arme Seelen zu erlösen oder ihnen das tröstende Blut Christi zukommen zu lassen. Die Heilswirkung des Kreuzesopfers, die Wirksamkeit der heiligen Messe, die Fürbitte Mariens und der Heiligen sowie die Hilfe der Engel sind in der Gesamtaussage des Bilden zusammengefasst, das in dieser Hinsicht geradezu die durch das Konzil von Trient erneuerte Lehre anschaulich vor Augen stellt. Die ikonographische Bündelung ließ eine entsprechende Stärkung der Heilswirksamkeit erwarten. Bemerkenswert erscheint in diesem Zusammenhang auch die traditionelle Symbolhaftigkeit der heiligen Zahl Sieben, die sich zudem aus den gleichfalls symbolischen Zahlen drei und vier zusammensetzt.
   Obwohl die Andacht und ihre Bilder einst weit verbreitet waren, hielt sich die kunstgeschichtliche und volkskundliche Forschung dazu wahrlich in Grenzen. Es sind meist kleine, aufsatzartige, zum Teil lokal bezogene Abhandlungen (F. Zoepfl 1938, L.M. Lechner 1972, F. Holböck, 1976, L. Longo-Endres; 2008), die sich mit dieser Thematik befassten. Konrad M. Müller kommt das Verdienst zu, eine umfassende Monographie vorgelegt zu haben, die auch durch den ausführlichen Katalog aller noch vorhandenen sowie der abgegangenen Zufluchts-Bilder in Süddeutschland, Österreich und Tirol einen bleibenden Forschungswert besitzt.
   Der Text ist insgesamt leicht lesbar, die meist ganzseitigen Abbildungen, insgesamt 111, davon 16 in Farbe, sind weitgehend gut; bei einigen hätte man sich eine bessere Qualität gewünscht, was allerdings vielleicht seinen Grund im Erhaltungszustand der Originale haben kann. Hervorzuheben ist der schöne, ansprechende mehrfarbige Schutzumschlag. Insgesamt handelt es sich um eine lesenswerte Lektüre und einen gelungenen Beitrag zur "Erforschung gelebter Frömmigkeit in Text und Bild", wie der Untertitel dieser Studie lautet. Dem kunstinteressierten Kirchenbesucher, der vor dem Bild über dem Inhalt rätselt, ist nun ein Buch an die Hand gegeben, das jede Frage dazu beantwortet.

 

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