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Erschienen am 22.09.2008 in: www.kunstbuchanzeiger.de
Bewährte Tradition
Gottfried Richter. Ideen zur Kunstgeschichte. Die Kunstgeschichte
als ein Spiegel der Menschheitsentwicklung. 9., neu bearbeitete Auflage,
Hawel Verlag, München. 269 Seiten mit 78 Abbildungen in Schwarzweiß.
Gebunden. 34.00 Euro.
Die >Ideen zur Kunstgeschichte< Gottfried Richters gehören
- im Jahre 1937 erstmals und dann in mehrfacher Auflage erschienen - zu
den frühen Versuchen einer durch die Anthroposophie Rudolf Steiners
erweiterten Wissenschaft, die Geschichte der Kunst, ja die Kulturgeschichte,
geistig zu durchdringen, sie in Existenzbeziehung zum Menschen zu bringen.
War den >Ideen zur Kunstgeschichte< in der Erstauflage seinerzeit
vom Autor der Untertitel "Beiträge zu einer Geschichte des Menschen"
beigegeben, der später dann weggelassen wurde, so findet diese Anregung
Gottfried Richters, der Kunsthistoriker und Pfarrer der Christengemeinschaft
war, in der im Hawel Verlag erschienenen, nunmehr schon 9. Auflage mit
"Die Kunstgeschichte als ein Spiegel der Menschheitsentwicklung"
zu Recht verwandelt wieder Eingang. Die neunte Auflage der >Ideen zur
Kunstgeschichte< (mit welcher die Grenze von 30.000 Exemplaren insgesamt
überschritten wird) bezieht ihre Legitimation aus der Tatsache, dass
Richter tatsächlich Ideen zur Kunstgeschichte - als Anregungen für
die eigene Arbeit - formulierte.
In diesem Sinne macht der Herausgeber Peter Hawel in seinem Vorwort darauf
aufmerksam, dass sich der Leser fragen muss bei aller Liebe zur Kunst
und Kulturgeschichte, "wer oder was schreitet fort, wer treibt was
voran, wer geht voran" (S. 13). Und bei genauer Betrachtung stellt
man fest, dass aus der Beschäftigung mit den Ideen zur Kunstgeschichte
Anregungen für Änderungen in die vorliegende Ausgabe eingeflossen
sind. So stehen den 167 Seiten (und 32 Abbildungen in Schwarzweiß)
der 3. Auflage von 1949 nun 269 Seiten mit insgesamt 78 Abbildungen gegenüber,
wobei positiv auffällt, dass diese jeweils ganzseitig in den Text
- und nicht an das Ende wie früher - gesetzt sind. Die Überarbeitung
lässt auch den Versuch erkennen, Richters Gedanken noch durch erweiternde
Kursivierungen einzelner Wörter für den Leser klarer hervortreten
zu lassen - wobei sich über den Nutzen eines solches interpretierenden
Vorgehens durchaus streiten lässt. Sinn macht es hingegen, dass Lebensdaten
von im Text erwähnten Autoren ergänzt wurden, eine Auswahlbibliographie
weiterführender Literatur und zusätzliche Anmerkungen angefügt
wurden.
Die neunte Auflage der >Ideen zur Kunstgeschichte< wirft für
mich letztlich aber doch die Frage auf, wann sich wieder einmal ein Autor
oder eine Autorin findet, die oder der den Mut aufbringt, ein der beliebten
Monographie Gottfried Richters vergleichbares Werk zu schreiben, das die
inzwischen doch recht zahlreichen Darstellungen zur Kunst- und Kulturgeschichte
aus anthroposophischer Sicht miteinbezieht und in Beziehung zu den wesentlichen
diesbezüglichen aktuellen Überlegungen anderer Forschender bringt.
MATTHIAS
MOCHNER
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