DAS GOETHEANUM, NR. 17, 24.04.2009,

Peter Hawel: Das Mönchtum im Abendland. Ursprung, Idee, Geschichte, Hawel Verlag, München 2007, 688 Seiten mit 91 schwarz-weiß Abbildungen, 49.-€.

Ansprechendes Arbeitsbuch
In der Gegenwart als Verlag ein Lexikon zu publizieren, dazu gehört Mut und die Überzeugung, dass das gedruckte Buch im virtuell-digitalen Zeitalter Bestand und Wert hat. Der vorliegende Band <Das Mönchtum im Abendland> spiegelt diese Sicht. Es wurde nicht eigens geschrieben, sondern - als dritte Auflage - völlig neu bearbeitet und gegenüber älteren Ausgaben ganz erheblich erweitert. Wer den Band in Erwartung üblicher Lexika aufschlägt, wird freilich verwundert, ja erstaunt sein, keine alphabetisch geordneten Lemnata zu der im Titel genannten Thematik, stattdessen eine fortlaufende Darstellung der Geschichte des Mönchtums vorzufinden. Diese ist in acht Hauptabschnitte, die teilweise in bis zu hundert Punkte untergliedert sind, gefasst, wie die 14 Seiten des Inhaltsverzeichnisses klar anzeigen.

Nachfolge Christi leben
Die Darstellung ist mehr oder minder chronologisch fortschreitend und macht den Leser über die Jahrhunderte hinweg bis in die Gegenwart vertraut mit der Vielfalt der Lebensformen, die sich für die Menschen ergeben, die die Grundfrage der Nachfolge Christi leben wollen. Von den Katharern zu den Jesuiten, von den nordafrikanischen Eremiten bis zu den Cluniazensern, Zisterziensern und Kartäusern oder zu Kongregationen, deren Namen man als <atheistischer Laie> allenfalls vielleicht gehört hat. Die aber nun beim Lesen eine erste Konturierung erhalten.
Die Darstellung ist von einer gefühlsgetragenen spirituellen Haltung des Autors durchdrungen, der ein Ernst-Nehmen-Wollen aller aus dem Urimpuls der sich um Christus zusammenfindenden Jünger entstandenen Formen des gemeinschaftlich-religiösen Zusammenlebens eigen ist. Man könnte auch sagen, dass die Darstellung dadurch sehr offen geworden ist, sodass der Leser in ihr zu eigenen Fragen finden kann. Und sie ist nicht wissenschaftlich trocken, obschon das verarbeitete Wissen enorm ist.

Geistiges Netzwerk
Besonders gefallen hat mir, dass an vielen Stellen Passagen aus den entsprechenden Klosterregeln einzelner Orden und christlicher Lebensgemeinschaften in Übersetzung eingefügt werden - auch aus der Regel des Columban kurz nach der guten Abbildung des berühmten, als ein Kraggewölbe ohne Mörtel im 8. Jahrhundert errichteten Oratoriums des Gallorus in Irland.
Im Rahmen der Beschäftigung mit den unzähligen monastischen Lebensformen des Abendlandes gewinnt man ja letztlich das Bild einer sich über die Jahrhunderte hin in immer neuen Impulsen manifestierenden großen geistigen Bewegung, welche die Landschaften durchdrang, überzog und prägte. Das Bild kann, trotz der in ihm auch enthaltenen sich oftmals sehr bekämpfenden und widerstreitenden Ordensgemeinschaften und -persönlichkeiten, im Rückblick heute ausgesprochen berühren. Eine Art geistiges Netzwerk wird im Abendland durch diese Impulse monastischer Lebensgemeinschaften erarbeitet.
Wer in der Gegenwart die Frage nach der individuellen Begegnung mit der Christuswesenheit im Denken für sich selbst stellt (und auf diese scheint der Autor im Rück- und Ausblick Seite 664 kurz hinzudeuten), der wird in der monografieartigen Darstellung gleichsam ex negativo etliche Anregungen für sich mitnehmen. Ein ansprechendes Arbeitsbuch!

MATTHIAS MOCHNER

 

ERBE UND AUFTRAG, Heft 2, 2009

Hawel, Peter: Das Mönchtum im Abendland.- 3. völlig neu bearbeitete und erweiterte Aufl.- München: Hawel, 2007.- 684 S., geb. € 49,- ISBN 978-3-9810376-2-3

Die Geschichte und Bedeutung des abendländischen Mönchtums in einem Band darzustellen, ist ein anspruchsvolles Vorhaben.1993 erschien die 1. Auflage des Buches. Für die Neuausgabe sind nicht weniger als 200 Druckseiten, fast ein Drittel, hinzugekommen. Der Untertitel "Ursprung - Idee - Geschichte" weist auf die Leitlinie des Werkes: "die Antwort des Menschen, der Christen auf die Offenbarung des Christus in der abendländischen Geschichte darzustellen" (S. 663) Es geht dem Verfasser also vorrangig darum, die Beweggründe der monastischen Initiativen herauszuarbeiten. Die ganze Vielfalt der religiösen Impulse, des Verlangens nach Askese und Nachfolge, des Sehnens nach einem mönchischen Leben auszubreiten, das macht den Reiz und die Spannweite des Werkes aus. Eine klar strukturierte Gliederung hilft dem Leser, sich in der immensen Stofffülle rasch zu orientieren und dies macht den Band damit trotz des fehlenden Registers auch zu einem Nachschlagewerk. Den breitesten Raum von den insgesamt acht Hauptkapiteln nehmen die Schilderung des Ursprungs sowie der Anfänge des Mönchtums bis zum Leben des hl. Benedikt und die weitere Entfaltung bis zum Ende der karolingischen Epoche ein. Den verschiedenen Reformbewegungen des 10./11. Jahrhunderts widmet Peter Hawel drei kürzere Kapitel unter den Stichworten "Die individuelle Nachfolge - ein neues Gottesbild - der liebende Christus". Die Bettelorden sind mit den Prämonstratensern und Wanderpredigern des 12. Jahrhunderts zusammengefasst. Es folgt ein Kapitel, das die Frauenklöster und deren besondere Spiritualität behandelt sowie das Mönchtum im ausgehenden Mittelalter - eine nicht zwingend erscheinde Koppelung. Der Neuzeit gilt das Schlusskapitel, das schon wegen des Zwangs zu äußerster Knappheit sehr heterogen geraten ist und - gerade was das 19. Jahrhundert betrifft - manche Wünsche offen lässt. Doch hätte eine ausführlichere Darstellung vermutlich den gesetzten Rahmen gesprengt. Hervorzuheben ist die Lesbarkeit der Darstellung, versteht es der Verfasser doch, durch prägnante Formulierungen und anschauliche Schilderungen den Leser zu fesseln, wozu auch die eingestreuten Kurzbiographien bedeutender Ordensmänner und -frauen beitragen, die den Band vom hl. Antonius dem Eremiten bis hin zu Marie Ward durchziehen. Auch hier wünschte man sich, dass manche bedeutende Gestalt aus der neueren Zeit hinzukäme. Rund 90 Abbildungen - Karten, Pläne, Stiche und Fotos - ergänzen den Text. Auffallend ist das Fehlen von Anmerkungen, was dem Lesefluss zugute kommt, den Leser jedoch der Möglichkeit beraubt, Aussagen nachzuvollziehen, zu prüfen oder zu vertiefen. Das kapitelweise geordnete Literaturverzeichnis leistet dies nur bedingt und könnte auch durch fremdsprachige Veröffentlichungen sowie die eine oder andere aus der jüngsten Zeit ergänzt werden. Insgesamt ein hilfreicher Band für jeden, der nicht gerade Ordenshistoriker ist, vor allem für jene, die sich mit diesem wichtigen Teil abendländischer Kultur und Geschichte vertraut machen wollen.

Tübingen                                                                      PROF. HUBERT KRINS


ZEITSCHRIFT FÜR BAYERISCHE LANDESGESCHICHTE
ZBLG 71 (2008), Heft 3

Peter Hawel: Das Mönchtum im Abendland. Ursprung - Idee - Geschichte.
3., völlig überarbeitete und wesentlich erweiterte Auflage, München 2007, Hawel, 687 Seiten, 90 Abbildungen.

Der Autor will mit seinem Werk keineswegs auf traditionelle Weise Eigenart und kulturelle Leistungen der Frauen und Männer beschreiben und würdigen, die sich klösterlichen Regeln unterordneten. Mit dem Versuch, deren geistigem Streben nachzugehen und von hier aus die kulturelle Leistung zu verstehen, möchte er einen neuen Akzent setzen: Geschichte als Geistesgeschichte, als Folge religiösen Ringens. Das Buch, 1993 erstmals bei Herder in Freiburg erschienen, ist eine - um 200 Druckseiten erweiterte - umfassende Neubearbeitung.
Zuerst geht Hawel auf die Ursprünge des abendländischen Mönchtums ein, die in der christlichen Spiritualität lägen, in der Nachfolge Christi sowie im frühen Eremiten- und Mönchtum in der ägyptischen Wüste, voran der des Antonius Eremita und Pachomius. Eine weitere Wurzel liege bei Augustinus und dessen philosophischem Ideal, verwirklicht mit Cassiacium und dem Bischofskloster zu Hippo Regius. Die Ansätze Martins von Tours und Cassians werden zwar genannt, ohne dass aber weiterführende Linien aufgezeigt werden. Nur die Inselklöster von Lérins als Mittler zwischen mittelmeerischem und gallischem Mönchtum, die hier gegebene Einrichtung des gemeinsamen Schlafsaales und der laus perennis, werden ausführlicher dargelegt.
Großen Raum nehmen die Magisterregel und Benedikt von Nursia ein, wobei der Autor das spezifisch Benediktinische deutlich herausarbeitet. Das Motiv der Mönche (und Nonnen) - Eremiten, Coenobiten, Jungfrauen, Inclusinnen, Domkleriker, Conversen, Beginen - sieht Hawel in der Gottessuche, in der Christusliebe gegeben, ihre Askese sei Ausdruck einer Imitatio Christi. Christliche Askese sei grundsätzlich nicht Weltverneinung, sondern eine Folge der Ausrichtung auf das Wesen des Menschen, seinen geistigen Ursprung und sein geistiges Ziel.
Ein weiterer, neuer Aspekt gegenüber der Erstausgabe findet sich in der oft beschriebenen Wechselwirkung von geistiger Welt und irdischem Geschehen. Die auf den Apostel Paulus zurückgehende Vorstellung der Welt bzw. der Schöpfung als mystischen Leib Christi hält Hawel für die conditio sine qua non des Christentums, wobei er nicht von allgemeinen Mächten oder Kräften spricht, sondern von Christus und den himmlischen Hierarchien als personalen Wesen, die entsprechend der scholastischen Annahme einer creatio continua beständig wirken. Die kulturellen Wandlungen durch Reformen - auch Irrungen - versteht der Autor als bejahende oder negierende Antwort des Menschen auf die geforderte Entwicklung seiner geistigen Welt, seiner Seele.
Mit dem irischen und karolingischen Mönchtum beginne die eigentliche Geschichte des abendländischen Mönchtums; sie legten dazu den realen Grund, auf dessen Basis es sich bis zur Säkularisation entwickelte. Im Verlauf seiner Geschichte wurde es mit Gütern und Privilegien ausgestattet, es habe Macht und Bedeutung gewonnen, die dem spätantiken und frühchristlichen Mönchtum gänzlich wesensfremd gewesen waren. Nach dem ausführlichen Kapitel zur irischen Mission und Spiritualität folgt das Wirken der Angelsachsen im Frankenreich, voran das des heiligen Bonifatius. Am Anteil der Karolinger wird anhand von bildlichen Darstellungen (Centula, Aniane, Corbie, St. Gallen u.a.) die neue Gestaltung und Aufgabe des Mönchtums im Karolingerreich gewürdigt. Die Bedeutung von Cluny, die Reformen von Brogne, Gorze, Dijon, Fruttuaria, la Cava und St. Victor in Marseille werden wie bisher als Reaktion auf die Sippenfrömmigkeit interpretiert, gefolgt von den individuellen Ansätzen des nunmehr im Abendland entstandenen Eremitentums. Ein eigenes Kapitel ist Hirsau und seiner Reform gewidmet, den Doppelklöstern und Regularkanonikern.
Ausführlicher und anschaulicher gegenüber der Erstausgabe sind die Kartäuser und Zisterzienser dargestellt; aufschlussreiche Quellenzitate (Guido von Kastel von der Grande Chartreuse, Bernhard von Clairvaux, Wilhelm von Saint-Thierry) vertiefen die Darstellung.
Kapitel F thematisiert die tiefgreifende mittelalterliche Krisis, die mit Schlagworten wie Ketzer, Wanderprediger, Scholastik, Bettelorden, Beginen usw. bezeichnet werden könne, was einerseits im Ringen um einen bedingten Individualismus, andererseits um die abermalige Auseinandersetzung mit der Schöpfung, der Materie, zu verstehen sei. Im Einzelnen werden die Wanderprediger, Norbert und die Prämonstratenser, die Katharer, Waldenser, Humilaten dargestellt, gefolgt von den beiden großen Bettelorden, den Franziskanern, Klarissen und Dominikanern.
Erfreulicherweise ist den Frauen in Kapitel G ein eigener Raum gewidmet (S. 511-546). Es beginnt mit der grundsätzlichen Frage nach männlicher und/oder weiblicher Spiritualität; Hawel kommt hier zu der überraschenden Erkenntnis, dass jeder, Frau wie Mann, bezüglich des Geistigen, das heißt der Offenbarung, Empfangende(r), also weiblich im Sinne von C.G. Jung sei. Der Autor beginnt mit dem wohl frühesten bekannten abendländischen Frauenkloster, dem Kloster von Arles. Es folgen Poitiers, das irische Doppelstift Kildare, St. Gertrudis zu Nivelles, Odilienberg, Frauenchiemsee, Buchau, Gandersheim und Gernrode. Ausführlich sind Leben und Wirkung der hl. Hildegard von Bingen dargestellt und mit Quellenzitaten veranschaulicht. Die Beginen, Prämonstratenserinnen, Zisterzienserinnen und Dominikanerinnen folgen mit Hinweisen auf deren Mystik. Der umfangreiche Abschnitt über das mittelalterliche Mönchtum schließt mit einem Rückblick und einigen Hinweisen auf bedeutende monastische Neugründungen des Spätmittelalters wie den Birgittinnen und die Reformen z. B. der Karmelitinnen, die abermals eine "geistige Virginität" im Sinne der mystischen Seelenhochzeit mit Christus zu verwirklichen suchten.
Die Zeit des Barock sei der Höhepunkt des Monastischen, was Hawel vor allem mit den zahlreichen Klosterneubauten und deren Belegzahlen, den neuen Bruderschaften und Orden begründet. Der Jesuitenorden spielt dabei eine besondere, bedeutende Rolle und wird ausführlich dargestellt, einschließlich seiner Missionstätigkeit in Südamerika und China; die negativen Aspekte solcher Wirksamkeit werden allerdings nicht beleuchtet. Zum Schluss geht der Autor allgemein auf eine neue der Art der Imitatio Christi ein, aus der neue Bruderschaften entstanden sind wie z.B. die Barmherzigen Brüder vom heiligen Johannes von Gott. Das Kapitel schließt mit den Reformorden der Kapuziner und Trappisten und mit der Darstellung der geistigen Dimension barocker Sakralkunst.
Damit möchte der Autor seine Darstellung des abendländischen Mönchtums beendet wissen. Er nennt zwar noch die Säkularisation, die zahlreichen Gründungen sozialkaritativer Kongregationen und die Neubelebung alter Orden, die jedoch für die abendländische Geistigkeit und Kultur nicht mehr prägend gewesen seien. Die Ursachen dafür werden nicht mehr erläutert, was sicherlich mancher Leser bedauern wird. Insgesamt charakterisiert Hawel nicht nur die großen, bekannten Orden, sondern auch die weniger bekannten wie Barnabiten, Saomasker, Kleriker der Gottesmutter, Kamillianer, Piaristen und Frauenorden wie Ursulinen und Englische Fräulein und sehr viele mehr.
Alle Jahres- und Zeitangaben wurden erfreulicherweise gegenüber der ersten Auflage aktualisiert bzw. überprüft. Die zahlreichen, durchweg ganzseitigen, neu erarbeiteten Karten und die Abbildungen heben die Neuausgabe positiv von der Erstausgabe ab. Das umfangreiche Literaturverzeichnis wurde um einige Neuerscheinungen erweitert. Anders als bei der Erstausgabe wurde jedoch auf ein Register verzichtet, was die Arbeit mit dem Buch erschwert; das ausführliche, 14-seitige Inhaltsverzeichnis ist dafür kaum Ersatz.
Man hat es mit einem auf breiter Sachkenntnis beruhenden, in sich stimmigen Werk zu tun, das sich auch in der Gestaltung - Satz, Abbildungen, Karten und Ausstattung - positiv von der Erstausgabe abhebt. Es wendet sich nicht in erster Linie an Fachwissenschaftler, bietet aber jedem Interessierten detailreiche und zuverlässige Informationen zu einem auch für unsere Geschichte und Kultur grundlegenden Phänomen.

Trient                                                              PROF. LUCIA LONGO-ENDRES

 


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