Amperland, Heimatkundliche Vierteljahresschrift für Dachau, Freising, Fürstenfeldbruck; 43. Jahrgang, 4. Vj. 2007 Heft 4; Prof. Dr. Wilhelm Liebhart:

An Lexika zur Kunst besteht kein Mangel, sodass sich zu Recht die Frage nach dem Sinn und Zweck eines einbändigen, über 5.000 Stichworten zählenden Lexikons zur Kunst- und Kulturgeschichte stellt. Der Autor Dr. Peter Hawel, katholischer Theologe und Kunsthistoriker mit reicher Lehrerfahrung an Gymnasien und an der Fachhochschule Weihenstephan, ist bereits mit einem "Wörterbuch zur abendländischen Kunstgeschichte" (Schnell & Steiner) bzw. mit dem "Wörterbuch zur Kunstgeschichte" (dtv) hervorgetreten. Das hier anzuzeigende Lexikon richtet sich zwar in erster Linie an Kunsthistoriker und an Kunst allgemein interessierte Leser, ist aber auch dem Historiker, Landeshistoriker, Volkskundler und dem wissenschaftlich arbeitenden Heimatforscher von großem Nutzen. Der Verfasser vertritt einen universalen und interdisziplinären Ansatz, wenn er in der Einleitung schreibt, "erstmals" den "Versuch unternommen" zu haben, "die gängigen Begriffe" der Kunstgeschichte, "um weitere Begriffe aus der Geschichte und Altertumskunde, aus der Religionsgeschichte und der Theologie, aus der Rechtswissenschaft und Staatswissenschaft sowie der Kultur und des Brauchtums" erweitert zu haben. Dieses Konzept ist in höchstem Maße lobenswert, da etwa der an der Kunstgeschichte interessierte Historiker oder auch der Heimatforscher auf dem flachen Lande nicht die großen gängigen Lexika wie das "Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens", das "Lexikon der christlichen Ikonographie", das "Lexikon des Mittelalters", das neue "Lexikon für Theologie und Kirche", das "Reallexikon zur deutschen Kunstgeschichte", das "Staatslexikon" usw. zur Hand hat.
Es ist hier nicht der Ort, die "Nagelprobe" zu machen, da der Spezialist immer etwas Unrichtiges oder unscharf Formuliertes finden wird, wenn er will. Daraus entsteht vielfach bei Rezensionen der Eindruck, dass das besprochene Buch mangelhaft sei. Dies ist zutiefst ungerecht. Auch über die Auswahl der Begriffe selbst lässt sich vortrefflich streiten. Alles in allem ist das einbändige Lexikon als zuverlässig zu empfehlen für alle die, die sich für die europäische Kunst in ihrer historischen Entwicklung von der Antike bis heute interessieren oder - wie es der Autor formuliert - "Kunstwerke wenigstens wieder annähernd in ihrer ursprünglichen Sinnhaftigkeit" verstehen wollen. Dies ist dem Autor zweifellos geglückt.

 

Zeitschrift für Bayerische Landesgeschichte, Band 69, Heft 2 / 2006,
Prof. Dr. Lucia Longo-Endres, Lehrstuhl für Kunstgeschichte der Neuzeit, Universität Trento:

Peter Hawel, Lexikon zur Kunst und Geschichte abendländischer Kultur, München 2005, Hawel Verlag, 856 Seiten, 132 Zeichnungen.

Ein neues, einbändiges "Lexikon zur Kunst und Geschichte abendländischer Kultur" muß sich hier abgrenzen gegenüber seit Jahrzehnten anerkannten und immer neu aufgelegten Standardwerken, etwa dem von Johannes Jahn (Wörterbuch der Kunst, Kröner Verlag 1939) oder dem Kunstbrockhaus (seit 1987).
Schon beim Durchblättern fällt einem das Neue und Unterscheidende ins Auge, denn die oben erwähnten Werke umfassen die Kunst der ganzen Welt, von Afrika bis China, und enthalten neben den üblichen Begriffen zu den Stilepochen, Kunsttechniken usw. auch Kurzbiographien bedeutender Künstler. Hawel dagegen verzichtet auf Künstlerbiographien und beschränkt sich auf den Bereich abendländischer Kunst. Dafür aber sind neben dem gängigen Standard eines kunsthistorischen Lexikons zahlreiche Begriffe aus der Theologie, Kirchengeschichte, Profangeschichte, der antiken und germanischen Mythologie, der Liturgie und des Brauchtums aufgenommen, um so - das offensichtliche Anliegen des Werkes - einen zeitgeschichtlichen Hintergrund für die Kunst und Kultur des Abendlandes zu schaffen. Kunstwerke standen einst - und das wird leicht vergessen - bis zur Moderne immer in einem bestimmten historischen Kontext, der für das Abendland mit Antike, Völkerwanderung und Christentum grob umschrieben werden kann.
Diese drei Bereiche sind dann auch in entsprechender Weite aufgenommen worden. Man findet nicht nur eine ausführliche Darstellung des Imperium Romanum und seiner Vorfahren, der Etrusker, sondern auch Weitläufiges über die Völkerwanderungszeit sowie die Nachfolger des Imperium, Byzanz oder die Karolinger, jeweils ergänzt durch entsprechende historische Karten. Vor allem aber wurden die einzelnen Epochen und geschichtlichen Ereignisse mit den dazu gehörenden ideengeschichtlichen Begriffen, so beispielsweise "Translatio imperii", "Drittes Rom" oder "Palladion", in Verbindung gebracht.
Gerade die Vernetzung von profan- und sakralhistorischen Begriffen mit den jeweils notwendigen geistesgeschichtlichen Ideen und Vorstellungen ist eine weitere Neuigkeit, die Hawel auch in den Bereichen der Theologie, Ikonographie, Liturgie und Ikonologie, Kunstepochen und Stile beibehält. So finden sich beispielsweise bei dem Begriff "Altare privilegatum" Verweise auf "Arme Seelen", "Votivmesse", "Ablaß", "Seelgerät", wobei wiederum bei "Arme Seelen" weitere Hinweise auf "Fegefeuer", "Totentanz", "Gregoriusmesse", "Parentalia", "Sieben Zufluchten" und "Jüngstes Gericht" gegeben sind, damit sachlich und ideell ein Zusammenhang hergestellt ist.
Die Begriffe zur Moderne wurden häufig durch direkte Zitate aus den jeweiligen Manifesten bereichert, damit der Leser hier Authentisches erfährt, ebenso werden Verweise auf ähnliche Richtungen oder Gegenbewegungen gegeben. Die Symbolik, die Zahlenmystik oder eine Abbildung über Schriftarten fehlen ebensowenig wie die geistlichen Orden mit ihren Nebenzweigen, den geistlichen Ritterorden. Am Schluß finden sich eine Kaiserliste von Augustus bis Wilhelm II. sowie Stammtafeln bestimmter Herrscherdynastien.
Das Lexikon enthält keine Bilder, dafür aber eigens angefertigte Computerzeichnungen mit entsprechenden Legenden, wobei die Grundrisse teilweise durch isometrische Aufrisse lesefreundlich gestaltet wurden. Die Seitenangabe bei Verweisen auf eine Abbildung erleichtert das Aufsuchen, hilfreich ist dabei auch das Lesebändchen.
Betrachtet man die sachliche und geistige Weite des umfassenden Buches, fällt es einem schwer, Kritik zu üben. Wenn auch einige Verweise wie etwa "Erweiterter Kunstbegriff" bei "Abstrakte Kunst" oder "Theophilussage" bei "Teufel" nicht erscheinen, mag dies bei der Fülle des Stoffes niemanden verwundern. Ausführlichere Literaturhinweise wären allerdings sehr hilfreich für den interessierten Leser gewesen.
Insgesamt gesehen ist es ein lehrreiches Kompendium, das Laien und Kundigen wichtige Ansätze und kaum beachtete Zusammenhänge erschließt. Erstaunlicherweise finden sich auch neue Begriffe, wie z.B. "Commendatio-Bildnis" oder "Axis mundi". Man wünscht dem handlichen und hochwertig ausgestatteten Buch, daß es sein Publikum finden möge.

 

Darmstädter Echo, vom 05.12.2006:

DIE NEUEN LEXIKA VERLOCKEN ZUM LESEN

Mehr Geschichte zur Kunst

Peter Hawels Anspruch an das eigene Lexikon ist groß. Er will in seinen Stichworten die kunsthistorischen Stichworte als "Ausgangspunkt und Grundgerüst" und sie durch ein umfangreiches Verweissystem wieder mit der Geschichte ihrer Zeit verbinden. Sein Anspruch ist es, dem Begriff Barock Verweise auf Muschel, Perspektive, illusionistische Architekturmalerei, Stuckmarmor, Fassade, Stuck, Cherub, Putto und neuen weitere Stichwörter beizugeben. Hawel lädt dadurch dazu ein, sein Lexikon als Schmöker der Begriffe zu nutzen. Wer dem Barock mehr als Jahreszahlen oder Königsnamen zuordnen will, kann bei ihm in Stichworten schwelgen ("Lexikon zur Kunst und Geschichte abendländischer Kultur". Hawel Verlag. 864 Seiten, 132 Schwarzweißbilder, 49 €. ISBN 3-9810376-0-X).


Das Goethanum, Nr. 45 vom 03.11.2006
Matthias Mochner:


Geistige Dimension der Kunstgeschichte

Peter Hawel: Lexikon zur Kunst und Geschichte abendländischer Kultur

In der Gegenwart noch ein Lexikon zu schreiben, das erfordert nicht nur Mut, sondern überdies auch die Überzeugung von der Notwendigkeit solcher Werke und vor allem das Vertrauen darauf, dass es immer wieder Menschen geben wird, die sich selbsttätig Erkenntnis von der Wirklichkeit verschaffen wollen.
Peter Hawels Werk mit dem programmatischen und zugleich ungewöhnlichen Titel «Lexikon zur Kunst und Geschichte abendländischer Kultur» verdankt seine Entstehung dieser dreifachen inneren Einstellung. Es ist ein Lexikon, das man zunächst aufgrund der inhaltlichen Weite mit gemischten Gefühlen zu Hand nimmt, am Ende jedoch durchaus befriedigt als Arbeitsinstrument nutzen möchte. Es ist ungewöhnlich, wenn sich - um ein beliebiges Beispiel zu nennen - in einem Lexikon die Gestalt der um 720 geborenen Odilia und die des nordischer Mythologie entstammenden Odin und beide wiederum mit der des antiken Odysseus auf engstem Raum begegnen, nämlich als Lemmata (Stichwörter) unmittelbar nacheinander gestellt. Dies genau aber will der Autor. Und es dürfte Peter Hawel einiges Kopfzerbrechen bereitet haben, welche Begriffe denn unter den etwas mehr als 5000 Stichwörtern auf den 857 Seiten Aufnahme finden sollten und welche nicht.

Aufforderung zur Recherche

Denn wie gehen die nacheinander gestellten Lemmata «Apfel», «Aphrodite»und «Apokalypse» zusammen, wie die englische «Op-Art» zwischen «Onyx» und «Opal» oder die Kunstrichtungen «Neue Wilde» und «Neuer Realismus" vor «Neues Testament»? Nach welchen Kriterien wurde hier -überzeugend und fachlich kompetent, wie sich bei stichprobenartiger Durchsicht zeigt - aus den unterschiedlichsten Fachbereichen mit großem Engagement Wissenswertes zusammengeführt? «Die geistige Dimension der Kunstgeschichte», so schreibt Tina Mittler-Hawel, Architektin und für die hilfreichen Computerzeichnungen zu einzelnen Lemmata verantwortlich, «soll einem breiteren Publikum wieder ins Bewusstsein gerückt werden, was uns bitter nötig erscheint.»
Das ist richtig, und betrachtet man das Lexikon unter diesem Gesichtspunkt, so fällt wirklich positiv auf, wie umsichtig und aus umfassendem Wissen schöpfend Hawel seine Lemmata verfasst. Jene zu den Planeten, die alle einzeln - wie übrigens auch erstaunlich viele Mineralien - behandelt werden, oder solche zu «Purpur», «Albigensern» und «Cosmatenarbeiten» nimmt man erfreut wahr, da sie mehr bieten als sonst üblich. Das zeigt der Vergleich mit anderen Lexika. Zum «Pergament» findet sich bei Hawel eine ganze Spalte, im «Sachwörterbuch zur Kunst des Mittelalters» von Claudia List und Wilhelm Blum (1996) dagegen fehlt der Begriff. Es ist das Spezifische dieses Lexikons, dass man als Nutzer immer wieder fragt, warum nicht auch noch ein weiterer Begriff Aufnahme gefunden hat - etwa zur Freimaurerei, zumal sich unter dem Lemma «Rosenkreuzer» der Satz findet: «Den eigentlichen Sinn des Schulungsweges interpretierte richtungsweisend R. Steiner.»

Behutsame Erweiterung gewünscht

Subjektiv war ich geneigt, immer wieder Persönlichkeiten der europäischen Geistesgeschichte zu vermissen, wie Picco della Mirandola, Alkuin von York, Johannes Scotus Eriugena, Hrabanus Maurus oder Dante Alighieri. Auch zu «Armenien», «Druiden», «Figurengedicht», «Geometrie» oder «Volksgeister» hätte ich mir Hinweise gewünscht. Aber als Kritik kann das Fehlen von Lemmata nicht gelten.
Wenn man fragen wollte, was dem nützlichen Werk noch besser zu Gesicht gestanden hätte, dann ist es das: In der schönen, behutsam beschreibenden Weise von Peter Hawel wären Abschnitte auch zu «Ahriman», «Ätherleib», «Astralleib», «Geist», «Ich» und «Luzifer» (nicht nur als Teufel wie dort) oder "Pentagramm» (der Verweis auf Drudenfuß ist zu wenig) möglich gewesen. Um nicht missverstanden zu werden: im vier Spalten umfassenden Beitrag zu «Seele» (das ist viel, denn andere Lexika übersehen diesen Begriff gerne) schreibt Hawel: «Das Ich als in der Seele wirkendes, einwohnendes Element kann als vierter, allein dem Menschen zukommender Aspekt betrachtet werden; doch ist das Ich im eigentlichen Sinne kein Seelenanteil, sondern Ausdruck des unsterblich Individuellen des Menschen, das ihm das Bewusstsein von Ganzheit ermöglicht, wobei man zwischen niederem und höherem Ich, dem höheren Selbst unterscheidet». Ich denke, dass eine solche behutsame Erweiterung sogar im Ansatz des vom Autor Gesuchten liegt und gewiss keinen Nutzer vor den Kopf gestoßen hätte.

 

Erbe und Auftrag, Benediktinische Zeitschrift, 82. Jahrgang, Heft 3 / 2006
Hauptkonservator a.D. Professor Dr. Hubert Krins, Tübingen:

Wer ein Kunstlexikon sucht, findet einige auf dem Büchermarkt. Das von Peter Hawel ist anders, schon auf den ersten Blick. Es enthält keines der üblichen Farbbilder in Miniaturformat, sondern sehr informative Strichzeichnungen zur Erläuterung einzelner Artikel. Diese selbst sind überraschend breit schließen - wie der Titel besagt - die abendländische Geschichte ein, aber auch Kirchengeschichte, Liturgie, Ikonographie, Mythologie, Kunstgewerbe und anderes. Dies erspart dem Benutzer das mühsame Suchen in anderen Fachlexika. Dahinter steckt jedoch mehr, nämlich die Absicht des Autors, die umfassenden Zusammenhänge rasch zu erschließen, in den Kunstwerke, vor allem der älteren Epochen, stehen, und vielen heute nicht mehr gegenwärtig sind. In diesem Ansatz schlägt sich die jahrzehntelange Unterrichtserfahrung des Autors nieder. Alle rund 5.000 Artikel stammen von ihm, woraus sich der konzeptionelle geschlossene Eindruck des Werkes ergibt. Zeitlich reicht der Horizont von der Eiszeitkunst bis zur Gegenwart. Wertvolle Ergänzungen liefern die beigegebenen Karten, Kaiserlisten und Stammtafeln. Dagegen wurde auf Künstlerartikel ebenso verzichtet wie auf Orts- und Länderartikel (mit Ausnahme wie z.B. "niederländisch") - hier ist man dann doch auf ergänzende Nachschlagewerke angewiesen. Die Texte sind sorgfältig formuliert, arbeiten mit vielen Querverweisen und sind in einer gut lesbaren Schrifttype gesetzt, verzichten allerdings auf bibliographische Hinweise. Die inhaltliche Ausweitung bringt es mit sich, dass man den einen oder anderen kunsthistorischen Artikel vermisst. Beispielhaft seien zum Buchstaben "N" genannt: Nabis, Nachgotik, Narrenschiff, Neurokoko, Notname. Insgesamt fehlt kaum Wesentliches, was die Brauchbarkeit des Nachschlagewerkes nachhaltig belegt. Gerade dem Studierenden und dem interessierten Laien leistet es kompakte und erschöpfende Dienste.

 

Augsburger Allgemeine, Wochenend-Journal vom 24.06.2006

Kunst & Geschichte von A bis Z

Nehmen wir mal den Begriff "Trumeau". Wer Fontane liest und dieses Wort nicht richtig einordnen kann: Im Lexikon zur Kunst & Geschichte von Peter Hawel wird er fündig. Natürlich - es ist die Säule zwischen zwei Fenstern und in Salons oft genutzt mit einem Trumeau-Tisch oder einer Kommode.
Peter Hawel hat ein ausgesprochen nützliches Lexikon zusammengestellt. Mehr als 5.000 Stichworte von "Aaron" bis "Zwölfjähriger Jesus im Tempel" geben profunde und praktische Informationen für Jedermann. Ergänzt wird das Ganze von einer Liste der Kaiser in Europa - von Augustus bis Wilhelm Zwo. Da liegen zwar wahrhaftig Welten dazwischen. Aber übersichtlich ist es allemal. Die Verknüpfung von Kunst und Geschichte ist für alle Kunstinteressierten ein sinnvolles Nachschlagewerk.
jk

 

Vorabdruck vom 29.05.2006 des Jahrbuches HEILIGE KUNST, 2005/2006
Dr. Michael Kessler:

Peter Hawel: Lexikon zur Kunst und Geschichte abendländischer Kultur. München (Hawel Verlag) 2005. (860 S., 132 Zeichng., geb. m. Schutzumschlag u. Leseband, 19 x 24,5 cm, ISBN 3-9810376-0-X, € 46,20).

Wer sich durch den Titel dieses erstaunlichen, ganz ausgezeichneten Handbuchs mit über 5000 Stichwörtern, zahlreichen Karten und Skizzen, einer Kaiserliste von Augustus bis Wilhelm II. und Stammtafeln wichtiger Dynastien vornehmlich in die Vergangenheit geführt sehen mag, der wird sich die Augen reiben. Denn gleichsam auf Schritt und Tritt begegnet man darin auch den wichtigsten Kunstströmungen der Moderne und zumal des 20. Jahrhunderts mit ihren zahllosen Avantgarden, Repräsentanten und Manifesten, die dazu noch oft im Wortlaut zitiert werden. Von der Abstraction-Création und vom Action Painting bis zur Gruppe Zero habe ich dazu nicht nur weit über 100 einschlägige Artikel gezählt, sondern zugleich präzise und verständliche Definitionen, Beschreibungen und Verbindungslinien gefunden, wie man sie sonst selbst in der Fachliteratur meist vergeblich sucht. Ähnliches gilt übrigens auch für das ebenso ergiebige Behandlung findende, dem Laien oft unübersichtliche Spektrum künstlerischer Verfahren, Mal-, Zeichen- und Drucktechniken und den dabei verwandten Mitteln und Materialien aus Geschichte und Gegenwart, aber auch von den gleichfalls behandelten handwerklichen Techniken und Gerätschaften, von arznei-, bau-, literatur-, mineralien-, münz-, pflanzen-, schrift-, sprach-, standes-, stern- und waffenkundlichen Termini, für deren Klärung man anderweitig lange zu suchen und auf allerhand Spezialliteratur zurückzugreifen hätte. Wie selbstverständlich erfahren, darüber hinaus, das kunsthistorische und ikonographische Fachvokabular, die zahllosen Motive und Gestalten zumal der biblischen Geschichte, der Hagiographie und der christlichen Symbol- und Bilderwelt im engeren Sinn, aber auch zahlreiche zentrale, einschlägige Begriffe aus den Bereichen der Liturgiewissenschaft, der Theologie, der Religionswissenschaft und Symbolforschung, der Staats-, Rechts- und Politikwissenschaften in diesem Lexikon ebenso profunde wie kundige, dabei stets gut verständlich bleibende und durch Querverweise hervorragend erschlossene, weithin erschöpfende Behandlung. Aber auch damit nicht genug. Denn Ähnliches wäre zu sagen bezüglich der eindringlichen Berücksichtigung der wichtigsten Epochen der Vor- und Frühgeschichte, aber auch der Religions- und zumal der Kirchen-, Ordens-, Brauchtums- und überhaupt der Frömmigkeitsgeschichte, ganz zu schweigen von Überblicken zur Entwicklung und Ausprägung der wichtigsten Bau-, Stil- und Kulturepochen und -merkmale. Geboten werden ferner in reicher Fülle Themen, Motive und Gestalten der antiken Mythologie, Philosophie und Geschichte, der alteuropäischen und -orientalischen sowie der indogermanischen Stoff- und Sagenbereiche, und vieles andere mehr. Die geradezu unübersehbare Zahl und Reichhaltigkeit der Lemmata machen dieses Handbuch zu einer einmaligen Fundgrube von materialenzyklopädischem Rang, die ihresgleichen sucht. Zu den weiteren Besonderheiten des Werkes und seines universal gebildeten, stupend informierten und informierenden Autors gehört, neben einer Fülle hervorragender Zeichnungen und Karten, die erstaunliche Interdisziplinarität der Behandlungsweise und das konstante Bemühen um konsequente Kontextualisierung und Situierung der Monumente der Vergangenheit in ihrem genuinen, heute nur noch schwer zu entschlüsselnden Sinn- und Bedeutungszusammenhang. Man mag die sehr knappen, summarischen Literaturhinweise auf einige wichtige Großlexika am Schluss bedauern oder auch als Mangel rügen. Aber das schlägt nur gering zu Buche angesichts des skizzierten enzyklopädischen Reichtums und der ganz außergewöhnlichen Qualitäten dieses wirklich einmaligen Nachschlagewerks, das nicht nur in jede Bibliothek gehört, sonder etliches sonst darin vielleicht fehlende gültig zu ersetzen vermag und daher uneingeschränkte Empfehlung verdient.

 

Schönere Heimat, Vierteljahresschrift des Bayerischen Landesvereins für Heimatpflege e.V., 95. Jahrgang, 2006 / Heft 2
Chris Loos:

Hawel, Peter: Lexikon zur Kunst & Geschichte abendländischer Kultur. - München (Hawel Verlag), 2005. 857 Seiten m. Abb., € 46,20.

Peter Hawel legt mit diesem Werk ein völlig neu erarbeitetes Lexikon zu Kunst und Geschichte vor. Ausgehend von der künstlerischen Moderne erfaßt es mit seinen über 5 000 Stichworten nicht allein den Bereich der abendländischen Kultur, sondern erschließt zugleich deren Grundlagen in der Antike. So finden künstlerische Formen aus der Vorzeit - etwa solch scheinbar gegensätzliche Formen wie die Megalithkultur oder die allbekannten Pyramiden - ebenso Berücksichtigung wie die Darstellung griechischer Mythen, die Bedeutung mittelalterlicher Reliquiare, das Ringen der Renaissance-Künstler um Anerkennung ihrer Kunst als Wissenschaft, die vielfältigen Anspielungen barocker Bildwerke oder die kultischen Bezüge der Krönungsinsignien deutscher Könige. Berücksichtigt wurden darüber hinaus zahlreiche moderne Kunstströmungen, deren lexikalische Erwähnung Zitate der Künstler ergänzen. So ist es dem Benutzer möglich, scheinbar unzusammenhängende Stilrichtungen und Bewegungen der Moderne zu erfassen und Verbindungslinien zu erkennen.
Indem der Verfasser gleichzeitig deutlich macht, dass die wenigsten Kunstwerke für ein Museum, sondern vielmehr für einen sakralen oder anderweitig "gehobenen" Kontext geschaffen wurden - eine Sichtweise, die übrigens in unserer Zeit vielfach abhanden gekommen ist - gelingt es ihm, den Blick des Benutzers für übergeordnete Zusammenhänge zu schärfen. So werden Begriffe wie Tempel, Kirche, Forum, Stadt, Grab, Katakomben, Plätze, Burgen, Schlösser, Residenzen usw. auf "interdisziplinäre" Weise erschlossen, um letztlich die Kunst nicht um der Kunst willen, sondern als Bedeutungsträger zu erfassen. Ziel ist die Darlegung der ursprünglichen Sinnhaftigkeit der Kunstwerke. Dieser Ansatz schließt die Erfassung über das gängige Schema kunstgeschichtlicher Wörterbücher hinausgehender Begriffe aus den Bereichen Geschichte, Theologie, Liturgie, Mythologie, Germanistik und Brauchtum ein. Auf diese Weise wird dem Benutzer nicht nur ein rasches und sicheres zeitgeschichtliches Einordnen, sondern zugleich auch ein umfassendes Verstehen ermöglicht. Die einzelnen Begriffe sind durch eine Vielzahl an Verweisen konsequent vernetzt, womit eben jene sachlichen und ideellen Zusammenhänge hergestellt werden können. Abgerundet wird das Werk durch anschauliche Zeichnungen, Karten, eine Kaiserliste, einige Stammtafeln bedeutender Dynastien sowie eine weiterführende Literaturliste.
Der interdisziplinäre Ansatz des Lexikons ermöglicht also nicht nur einen schnellen Zugriff auf viele Bereiche der Kunst(geschichte), sondern bietet zugleich eine erste Orientierungsmöglichkeit innerhalb vielfältiger Zusammenhänge. Die akribisch erarbeitete, fundierte und zugleich leicht verständliche Darstellung der einzelnen Lemmata macht das Werk zu einer äußerst empfehlenswerten "Fibel" für jeden Kunstinteressierten.

 

Stuttgarter Zeitung Nr. 109, Ausgabe vom Freitag, den 12. Mai 2006,
Georg Leisten:

Die Hostie, die Weihespeise der katholischen Eucharistie, war im Mittelalter und in der frühen Neuzeit oft Gegenstand ritueller Schändungen sowie wundersamer Rettungsaktionen, was sakrale Gemäldezyklen mitunter auch bildlich dokumentieren. Wer mehr dazu wissen möchte, schlägt am besten unter "Hostienfrevel" in Peter Hawels "Lexikon zur Kunst und Geschichte abendländischer Kultur" nach. Der Autor, der die Kompetenzen des Kunsthistorikers mit denen des Theologen vereint, hat sich zum Ziel gesetzt, das insbesondere für die vormoderne Kunst nötige Hintergrundwissen zusammenzustellen. Neben sachlich erläuterten Fachbegriffen der Malerei, Skulptur und Architektur liefert der Band Parallelinformationen aus Mythologie und Symbolforschung, vor allem aber aus Kirchengeschichte und Liturgiewissenschaft, sodass sich Hawel speziell für alles Alteuropäische als kenntnisreicher Helfer erweist. Doch auch zur Pop-Art oder zur Performance bietet er noch Stichworteinträge, die wir teilweise richtig gut finden könnten, wären da nicht die fehlenden Literaturhinweise für professionelle Nutzer.

Peter Hawel: Lexikon zur Kunst und Geschichte abendländischer Kultur. Hawel Verlag, München, 856 Seiten, 46,20 Euro.

 

Westfälische Nachrichten
Ausgabe vom Dienstag, den 09. Mai 2006,
Tobias Vieth:

Lexikon zur Kunstgeschichte
Trends und Epochen

Peter Hawel ist Theologe, Archäologe, Germanist und Kunstgeschichtler. Da scheint es nur selbstverständlich, dass sich sein neues Nachschlagewerk der abendländischen Kunst nicht auf eben diese beschränkt. Hawel versucht vielmehr einen Rundumschlag, will offenkundig Zusammenhang stiften. Neben üblichen Begriffen zur Kunst, einschließlich der Moderne, liefert das Lexikon Begriffe aus Geschichte, Theologie, Liturgie, Mythologie, Germanistik und dem Brauchtum. Das Ziel ist, Kunstwerke in ihrer ursprünglichen Sinnhaftigkeit zu verstehen, wie Hawel im Vorwort erklärt. Hawel will mit seinem Lexikon weiter führen als andere Nachschlagewerke, um zum Beispiel Begriffe wie Barock oder Impressionismus in einen breiteren Kontext zu bringen.
Die Erläuterungen sind gut verständlich und können in vielen Bereichen grundlegendes Wissen vermitteln. Besonders hilfreich sind die 132 Zeichnungen, wenn es zum Beispiel Bau-Epochen betrifft. Übersichtlich und auf das Wesentliche reduziert helfen sie beim Verständnis. Lobenswert auch, dass sich in diesem Zusammenhang selbst so profane Dinge wie Dachformen im Lexikon finden. Ungewöhnlich viele Querverweise stellen Zusammenhänge zu anderen Themenkomplexen her.

Peter Hawel: Lexikon zur Kunst und Geschichte abendländischer Kultur. Hawel Verlag, 856 Seiten, 46,20 €.

 

Amtsblatt für das Erzbistum München und Freising
Jahrgang 2006 , Nr. 2 , 26. Januar
Dr. Johannes Modesto:

Peter Hawel, Lexikon zur Kunst und Geschichte abendländischer Kultur.
856 Seiten, € 46,20. Hawel Verlag, München 2005.

Auf den ersten Blick hat es den Anschein, als ob mit dem vorliegenden Werk "nur" ein weiteres Handbuch der abendländischen Kunstgeschichte auf den Markt gekommen ist. Bei näherem Hinsehen jedoch erweist sich dieses Lexikon auf verschiedenen Gebieten als ein erfrischendes Novum: Während viele andere Handbücher aus dem o.g. Bereich sich auf die rein kunsthistorische Erklärung der Begriffe beschränken, unternimmt dieses Lexikon den gelungenen Versuch, gerade auch die theologie- und frömmigkeitsgeschichtlichen Aspekte der abendländischen Kunst in angemessener und verständlicher Weise zu erläutern. Gerade dies ist umso notwendiger, da sich bekanntlich ein Großteil der abendländischen Kunst- und Kulturgeschichte nur aus der Theologiegeschichte heraus richtig deuten läßt, ein Faktum, das leider immer mehr in Vergessenheit zu geraten scheint. Gerade aus diesem Grund gebührt dem Verfasser (Theologe, Archäologe, Germanist und Kunstgeschichtler) dieses Lexikons ein großer Dank, da er die Fachbegriffe der Kunst auch immer, je nach Epoche, in einem altertumswissenschaftlichen, theologischen, soziologischen oder juristischen Zusammenhang stellt. Daher kann dieses Lexikon uneingeschränkt empfohlen werden

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